VitaBIT
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Derzeit leben in der Bundesrepublik Deutschland mehr als zwei Millionen pflegebedürftige Menschen. Aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland kann heute prognostiziert werden, dass sich diese Zahl bis 2050 um 145 Prozent erhöhen wird. Angehörige können immer weniger Zeit für die häusliche Pflege aufbringen und schalten eine professionelle Hilfe ein. Momentan liegt die Zahl der Personen, die zu Hause Pflegedienstleistungen empfangen, bei rund 68 Prozent. Dies sind heute immerhin schon 1.360.000 Pflegebedürftige.
Wir verzeichnen in Deutschland bereits einen gewaltigen Personalmangel und man kann sich kaum vorstellen, wie die wachsende Zahl der Menschen, die Betreuung benötigen, in Zukunft adäquat versorgt werden sollen. Um den Pflegebedürftigen in Zukunft ein menschenwürdiges Leben ermöglichen zu können, das auch bezahlbar ist, sind dringend neue Lösungen gefragt. Die Unterstützung durch mobile und hochgradig vernetzte Anwendungen könnte dabei ein Baustein sein.
Ausgangslage
Im Sinne einer möglichst menschenwürdigen Betreuung und wegen der hohen Kosten der stationären Pflege sollten die Menschen so lange wie möglich in ihrer eigenen Wohnung behandelt werden können. Aufgrund der steigenden Zahl der Pflegefälle sind die Pflegedienste mittlerweile stark überlastet. Die Dokumentation der Pflegeleistungen erfolgt meist zeitaufwendig ausschließlich per Hand, aufgrund dessen sich oftmals Fehler unter Zeitdruck einschleichen. Die Kommunikation mit Ärzten und Krankenhäusern ist ebenso verbesserungswürdig wie die Bereitstellung verwertbarer Daten. Zeitersparnis zu erzielen, um mehr Zeit für fachgerechte Betreuung zu haben und öfter mal ein persönliches Wort mit dem Betreuten wechseln zu können, wäre sicher ein wünschenswerter Zustand.
Die Hauptziele
Ziel ist es, über die Realisierung mobiler und plattformübergreifender Dienste in der ambulanten Pflege die Mobilität der Pflegemitarbeiter zu erhöhen, Routinetätigkeiten und Bürokratie mittels IT-gestützter Services abzubauen, die Arbeitsprozesse zu flexibilisieren und durch eine orts- und zeitnahe Bereitstellung von Dienstleistungen und kontextsensitivem Wissen, die Pflegequalität deutlich zu erhöhen. Auf diese Weise ließe sich die Qualität im deutschen Pflegewesen deutlich anheben.
Innovation
Die Neuentwicklung besteht in einer offenen, mobilen und effizient vernetzten Plattform, an die beliebig viele Dienste angeschlossen werden können. Dazu zählen im Bereich der Pflege die Dokumentation, Telemedizin, Kommunikation und Sicherheitselemente. Künftig soll es möglich sein, über die Anbindung von Sensoren und mobilen Endgeräten, Vitaldaten des Patienten in Echtzeit zu erfassen und direkt in einer digitalen Pflegeakte zu hinterlegen. Dort sind die medizinischen Daten permanent archiviert und können jederzeit eingesehen beziehungsweise aktualisiert werden. Realisiert wird auch die Verknüpfung zu Arztpraxen und Krankenhäusern. Auf diese Weise können Pflege- und medizinisches Personal den Gesundheitszustand des Patienten ständig überwachen und im Notfall wesentlich schneller reagieren. Der Einsatz eines digitalen Stiftes soll überdies die genaue Dokumentation der erbrachten Leistungen garantieren - Zeiterfassung und Leistungsnachweis erfolgen heute mitunter recht willkürlich und unpräzise. Die geplante Synchronisation der IT-Systeme in der Zentrale des Pflegedienstes mit den mobilen Endgeräten der Mitarbeiter direkt am Einsatzort wird zum einen verwaltungstechnische Prozesse, wie die Leistungs- und Dienstplanung oder das Abrechnungswesen, vereinfachen. Andererseits wird der Pflegedienstmitarbeiter auch von Erleichterungen in der täglichen Praxis profitieren, wenn er auf seinem mobilen Endgerät über detailgetreue Geoinformationen verfügt. Damit lassen sich etwa Tourenplanung und Navigation wesentlich effizienter gestalten. Als mobiles Endgerät eignet sich sehr gut das Mobiltelefon, da es ohnehin mitgeführt wird, ein zusätzliches Gerät obsolet macht und einfach zu bedienen ist.
Sicherheitsaspekte
In Gesundheits- und Pflegefragen geht es um besonders sensible Daten, die entsprechend geschützt werden müssen. Hier müssen Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität unbedingt gewährleistet sein. Deshalb wird die weit verbreitete SD-Karte (SD Card) zum Einsatz kommen. In der kleinsten Bauform wird dies auch eine Micro SD Card sein, die heute in sehr vielen Mobiltelefonen gebräuchlich ist. Das besondere an der Karte ist der integrierte CodeMeter Sicherheitschip, der den Zugriff auf die Patientendaten im System exakt festlegt und steuert. Zudem müssen im Pflegevertrag dahingehend Anpassungen vorgenommen werden, dass der Betreute dem Einsatz der neuen Möglichkeiten der mobilen Lösung zustimmt.
Konsortium
An der mobilen Lösung für den Pflegedienst arbeitet ein Konsortium bestehend aus Wibu-Systems AG, FZI Forschungszentrum Informatik, CAS Software AG, PTV AG und die Sozial- und Diakoniestation Weinstadt.
