SiWear
Volkswirtschaftliche Aspekte
Allein in Deutschland sind etwa 6 Mio. Menschen in der Kommissionierung beschäftigt - in Lagern und Distributionszentren; 10 Mio. arbeiten in Werkstätten oder im technischen Außendienst. Jeder einzelne dieser 16 Mio. Menschen wird in Zukunft per Computer auf relevante Daten zugreifen, idealerweise ohne seine eigentliche Tätigkeit zu unterbrechen. Mit aktuellen, meist mobilen in der Hand gehaltenen Computern ist dies nur bedingt möglich. Wearable Computer Systeme sind die Lösung: mit ihnen bleiben beide Hände frei zum Kommissionieren oder zur Wartung und die Bedienung des Wearables ist "nebenläufig", d. h. der Nutzen, nicht die Nutzung des Computers steht im Mittelpunkt.
SiWear zielt auf die Unterstützung mobil arbeitender Fachkräfte in KMU, die in Deutschland einen hohen Anteil zur Wirtschaftskraft beitragen. Daher liegt der Fokus darauf, leicht bedienbare und finanziell tragbare Lösungen zu entwickeln.
Ausgangslage
In der fertigenden Industrie müssen Unternehmen die Produktion immer mehr beschleunigen, wenn sie im zunehmenden Konkurrenzkampf bestehen wollen. Kürzere Time-to-market-Zyklen dürfen aber keinesfalls dazu führen, dass sich die Qualität verschlechtert. Beispielsweise bei der Kommissionierung von Teilen in der Motorenproduktion wird deutlich, woran es heute noch hakt: Mitarbeiter arbeiten vielfach papiergebunden und müssen häufig zwischen der Informationsquelle (dem PC) und den Kommissionierregalen hin- und herlaufen. Ähnlich stellen sich die Probleme bei der Wartung von Fahrzeugen dar: der Mitarbeiter, bzw. die Mitarbeiterin muss die benötigten Ersatzteile, Reparaturanleitungen etc. im zentralen PC heraussuchen und teilweise auch auf Papier ausdrucken. Auch viele andere Industriezweige kennen das Problem. Wo auch immer Güter oder bestimmte Bauteile zusammengestellt werden müssen, die Papierliste ist immer dabei und der stete Wechsel zwischen IT-Systemen und manuellen Arbeiten beherrscht den Arbeitsablauf. In der Kommissionierung schon bewährt und erfolgreich eingesetzt sind sog. "Pick-by-Voice"-Lösungen - hierbei sagt der Computer am Gürtel Lagerplatz und zu entnehmende Stückzahl an, der Kommissionierer bestätigt per Spracherkennung. Pick-by-Voice hat seine Grenzen, wenn große Datenmengen auf einmal dargestellt werden müssen. Eine Liste wird mit dem Auge schneller erfasst, als über Sprache - und schließlich sagt ein Bild mehr als Tausend Worte. Hier setzt SiWear an.
Hauptziele
Ein Wearable Computer-System verspricht eine Erhöhung der Effizienz. Mit ihm kann der Arbeiter die Anleitung, welches Teil als nächstes zu montieren ist, unmittelbar am Arbeitsort ablesen. Die Branche sucht deshalb nach zukunftsorientierten Lösungen, welche die Arbeitsabläufe mit Hilfe von Computern, die direkt am Körper getragen werden, optimieren. Von der Vermeidung der medialen Brüche (PC - Papier - PC) erwarten sich die Protagonisten eine merkliche Steigerung der Prozessqualität. Außerdem soll die Vermeidung unproduktiver Zeiten außerhalb des eigentlichen Herstellungsvorgangs die Produktivität der einzelnen Mitarbeiter erhöhen. So könnte beispielsweise in Zukunft auf das Drucken individualisierter Arbeitsanweisungen in Papierform aus vorhandenen IT-Systemen verzichtet werden - ebenso, wie die anschließende Neueingabe in das System. Als größte Herausforderungen dieses Projektes haben sich die notwendige Robustheit der Wearable Lösungen, die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften sowie die Integration heterogener Teilsysteme und die daraus resultierende Verfügbarkeit herauskristallisiert.
Innovation
Völlig neue Wege beschreitet das Projekt SiWear, in dem es den Computer direkt an den Körper und damit auch direkt an den eigentlichen Arbeitsplatz bringt. Computer-Komponeten können so verteilt werden und binden den Nutzer nahtlos - ohne Medienbrüche - in die IT-Landschaft ein. Dies kann u. a. durch textile Interaktionsmöglichkeiten, wie Stoff-Tastaturen, Datenhandschuhe, aber auch am Kopf getragene bzw. in die Brille integrierte Displays (Head Mounted Displays), Bluetooth-Mikrofone und -Kopfhörer, am Finger getragene Eingabegeräte (Fingermouse) oder Spezialwesten mit integrierter Elektronik realisiert werden. Berücksichtigt werden dabei völlig natürliche Bewegungsabläufe und Verhaltensweisen des Menschen, um z. B. Gesten, Haptik oder auch Sprache zur Interaktion mit dem Computer zu nutzen. Direkte Arbeitsanweisungen und die automatische Rücksendung der Ergebnisse können Übertragungsfehler vermeiden und ermöglichen eine zeitnahe Berichterstattung. Auf diese Weise ist der Informationsfluss innerhalb des gesamten Arbeitsprozesses direkt in die IT-Umgebung eingebettet und sowohl die Weitergabe von Anweisungen als auch die nachträgliche Eingabe in das System können entfallen.
Sicherheitsaspekte
Schon im Rahmen der Entwicklung werden die gängigen Standards zur IT-Sicherheit berücksichtigt. Dafür werden die für den Prozess relevanten Sicherheitsanforderungen ermittelt und mögliche Compliance-Probleme identifiziert. Daneben erfolgt eine Weiterentwicklung der Standards, deren Notwendigkeit sich aus der Verwendung portabler Systeme ergibt. Besondere Anforderungen werden auch an den Datenschutz gestellt, da sich über Wearable Computer völlig neue und detaillierte Bewegungs- und Verhaltensprofile der einzelnen Nutzer bilden lassen. Im Übrigen ist die Verfügbarkeit ein Kernthema, weil mit verteilten und drahtlos verbundenen und dennoch integrierten IT-Teilsystemen gearbeitet wird.
Konsortium
Am Projekt SiWear partnerschaftlich beteiligt sind die Unternehmen Daimler AG, NEO Business Partners GmbH, teXXmo Mobile Solution GmbH & Co. KG, Mobile Research Center Bremen und SAP Research.
