Mobile Servicewelten
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Auch 2007 konnte Deutschland seinen Platz als Exportweltmeister verteidigen. Einen entscheidenden Anteil an diesem Titel trägt der deutsche Maschinen- und Anlagenbau. Dieser weist, je nach Sparte, eine Exportquote von 70 bis über 90 Prozent auf. In einer globalisierten Welt steht der internationalen Nachfrage nach Maschinen ein internationales Herstellerangebot gegenüber. Damit der deutsche Maschinenbau seine führende Stellung im globalen Wettbewerb behaupten kann, muss neben dem bestehenden Erfolgsrezept "High-Tech-Maschinen mit neuster Technik in höchster Qualität" Service als weiteres Differenzierungsmerkmal weiterentwickelt werden. Gefragt sind hybride Produkte bestehend aus High-Tech-Produkt - eingebettet in High-End-Services. Ziel ist die Erfüllung der Kundennachfrage nach optimaler Verfügbarkeit einer höchst leistungsfähigen Maschine.
Ausgangslage
Eine Maschine "lebt". Nach dem Austausch von Ersatzteilen, dem Wechsel von Software-Releases oder dem Einbau neuer Module, weist sie schon nach ein paar Jahren vollkommen andere Charakteristika auf als bei der Auslieferung. Die Änderungen in der Konfiguration der Maschine werden jedoch nach deren Auslieferung nicht oder nur ungenügend verfolgt. Jedoch sowohl im Störfall als auch bei der Modernisierung oder Wartung sind diese Änderungen von Bedeutung. Die heute noch gängige Praxis sieht so aus, dass in den aufgezeigten Fällen ein Mechaniker an den Einsatzort der Maschine reist, um dort die Wartung oder Erneuerung vorzunehmen bzw. den Störfall zu beheben - ganz gleich, ob sich dieser in Deutschland oder in Fernost befindet. Die Identifikation von notwendigen Ersatzteilen ist sowohl für den Servicetechniker als auch für den Innendienst eine langwierige und erfolgskritische Aufgabe. Gerade hier können Fehler vorkommen, die erhebliche Verzögerungen und letztlich Maschinenstillstände nach sich ziehen.
Die Hauptziele
Hauptziel ist es, eine technologische Basis für den optimalen Serviceeinsatz zu schaffen. Dies meint letztlich eine Reduzierung der Maschinenstillstände bei hoher Servicequalität, in kurzer Servicezeit zu niedrigen Kosten. Eine Verbesserung der geschilderten heutigen Lage wäre eine Technologie, durch die die Maschinen und deren Bestandteile schnell und eindeutig identifiziert werden können. Diese Information soll in einer Maschinenakte zentral hinterlegt werden. Künftig soll diese Information über den Kunden und deren Maschinen auch über Niederlassungen und Händler hinweg permanent zur Verfügung stehen und über mobile Endgeräte zu jeder Zeit und an jedem Ort visualisiert und genutzt werden können. Anhand dieser Angaben können sich sowohl die Hersteller als auch die Händler Wettbewerbsvorteile durch die Bereitstellung innovativer Mehrwertdienste im Wartungs- und Servicebereich verschaffen.
Innovation
Unter Zusammenführung von mobilen Lösungen, Wissensmanagementsystemen und unterstützenden Technologien wie RFID/Sensorik finden völlig neue Serviceprozesse und Geschäftsmodelle im internationalen Servicenetzwerk Eingang in den Maschinenbau. Instandhaltung und Betrieb der rund um den Globus aufgestellten Maschinen- und Anlagen können dadurch auf ein neues Niveau hinsichtlich Verfügbarkeit, Effizienz und Qualität gehoben werden. Es könnten z. B. werthaltige Ersatzteile einer Maschine in Zukunft nicht mehr nur gekauft, sondern auch mit garantierten Qualitätsaussagen geleast werden. Basierend auf mit Sensorik erfassten Belastungsdaten und deren Weitergabe per Internet oder drahtloser Verbindung, ermittelt der Hersteller, wann ein bestimmtes Teil ausgewechselt werden muss. Durch die Definition und die Beobachtung typischer "Verhaltensmuster" bzw. Belastungsgrenzen wird eine vorausschauende Wartung ermöglicht. Auf diese Weise können in Zukunft Ausfallzeiten, die häufig einen kompletten Produktionsstillstand zur Folge haben, vermieden werden. Es wird prognostiziert, dass über die Ferndiagnose rund siebzig Prozent aller Störfälle schnell und unkompliziert behoben werden können. Dank der Kombination von RFID-Technologie, mobilem Endgerät und einer aktiven/anpassbaren und aktuellen Maschinenakte, werden langfristig Identifikationsprozesse verkürzt, Fehler vermieden und doppelte Anreisen unnötig. Zudem ermöglicht die vereinfachte Rückbuchung nicht benötigter Teile in den Lagerbestand ein verbessertes Ersatzteilmanagement. Servicewissen kann international transparent gemacht werden. Der Effizienzgrad im internationalen Service kann insgesamt entscheidend erhöht werden.
Sicherheitsaspekte
Neben den allgemein üblichen Sicherheitsstandards kommt es in diesem Bereich vor allem auf die Verfügbarkeit und die sichere Übertragung der Informationen an. Zudem müssen die Verantwortlichkeiten festgelegt sein. Das heißt, eine klare Regelung, wer auf welche Daten Zugriff hat, ist erforderlich.
Konsortium
Partner des Verbundvorhabens Mobile Servicewelten sind die Infoman AG, Homag Holzbearbeitungssysteme AG, TRUMPF GmbH + Co. KG, Michael Weinig Aktiengesellschaft und Voith Paper Automation GmbH & Co. KG sowie das für die Forschung zuständige Institut für integrierte Schaltungen (IIS) der Fraunhofer Gesellschaft.
