MAREMBA
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Aufgrund der beginnenden Umstellung auf die elektronische Auftragsvergabe durch die öffentliche Hand müssen sich die Handwerksbetriebe in mancherlei Hinsicht anpassen. Wie stark die KMU in der Bundesrepublik davon betroffen werden, zeigt beispielhaft das Elektrotechniker-Handwerk. Bundesweit existieren rund 55.000 Betriebe, in denen circa 230.000 Angestellte beschäftigt sind. Bei der Umstellung auf ein elektronisches Vergabesystem werden die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen in den einzelnen Betrieben zu wenig berücksichtigt und könnten daher künftig bei der Vergabe von Großaufträgen vom Ausschluss bedroht sein.
Ausgangslage
Dem Bauwesen stehen in den kommenden Jahren weit reichende Änderungen bevor. Gerade was das Verfahren der Auftragsvergabe betrifft, müssen sich Unternehmen umstellen. Ab 2010 sollen nämlich EU-weit alle öffentlichen Aufträge nur noch elektronisch ausgeschrieben werden. Dadurch wird sich die Wettbewerbssituation entscheidend wandeln, da auch weit entfernte Konkurrenten am Verfahren teilnehmen können. Der Vorteil der „kurzen Wege“ der Handwerker vor Ort mit ihren spezifischen Kenntnissen droht vollkommen ins Hintertreffen zu geraten. Insbesondere kleine und mittlere Handwerksbetriebe laufen dadurch Gefahr, von der Entwicklung überrollt und bei der Vergabe von Großprojekten verdrängt zu werden.
Die Hauptziele
Die Branche braucht daher eine Lösung, die ihr nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit sichert. Eine viel versprechende Möglichkeit ist die gemeinsame Teilnahme an Ausschreibungen und die anschließende kollaborierte Abwicklung von Bauprojekten. Mehrere Unternehmen könnten als Arbeitsgemeinschaft die Rolle eines Generalunternehmers übernehmen und sich so aus der z. T. ruinösen Rolle des kleinen Unterauftragnehmers entziehen. Weitere Ziele sind die Erschließung des Marktpotenzials Großbaustelle für kleinere und mittlere Unternehmen des Elektrohandwerks und die Qualifizierung der Mitarbeiter in den Handwerksbetrieben durch speziell entwickelte Weiterbildungs- und Schulungskonzepte.
Innovation
Das Projekt MAREMBA steht für die Entwicklung eines anwenderfreundlichen, ganzheitlichen und prozessübergreifenden Ressourcenmanagementsystems für die gemeinsame Bauauftragsabwicklung von Handwerkernetzwerken, das auch mobil nutzbar ist. Dahinter steht der Anspruch, sämtliche Prozessschritte von der Angebotsabgabe über die Bauabwicklung bis hin zur Mängelbeseitigung und Wartung nach der Inbetriebnahme durchgehend zu mobilisieren. Auf das Ressourcenmanagementsystem besteht dann Zugriff, nicht nur über den PC im Büro oder in der Werkstatt, sondern auch über mobile Endgeräte wie Notebook, Tablet-PC, Mobile Computer, Handhelds und Mobiltelefone. Auf diese Weise sind Handwerker in der Lage, auch von unterwegs das System mit Informationen zu beschicken oder eben solche abzurufen. Die Kollaborationsplattform verfügt auch über standardisierte Schnittstellen, über die grundsätzlich die Daten aus handelsüblichen Branchensoftwares importiert und exportiert werden können. Von der Digitalisierung erwarten sich die Protagonisten neben einer besseren Kommunikation und Kooperation auch eine Senkung der Fehlerquote, da Übertragungsfehler auf ein Minimum reduziert werden können. Ein Beispiel dafür, wie KMU in Zukunft von einem solchen System profitieren können, ist die Heldele GmbH, Elektrospezialist mit 500 Mitarbeitern und einer der Projektpartner. In den vergangenen beiden Jahren hat das Unternehmen rund 40 Prozent der Wertschöpfungskette virtualisiert. Nach Einschätzung des geschäftsführenden Gesellschafters Wilhelm Wahl werden dadurch die Abläufe um fünf bis zehn Prozent beschleunigt. Hat das Unternehmen einen Auftrag über die bundesweit gut ein Dutzend Ausschreibungsplattformen erhalten, kann der Projektleiter bspw. die Arbeitsaufträge und Aufmaße gleich an den Netzwerkpartner über die Kollaborationsplattform per mobilen Zugriff weiterleiten. Weiteres Potenzial für das Elektrohandwerk wird in der mobilen Vernetzung der Auftragsabwicklung mit den Monteuren und Netzwerkpartnern direkt auf der Baustelle und den Kunden gesehen. Allen am Projekt Beteiligten sollen in Zukunft tagesaktuelle Statusberichte und To-Do-Listen zur Verfügung stehen, um einen verzögerungsfreien Ablauf des Bauvorhabens zu gewährleisten.
Sicherheitsaspekte
Die für eine drahtlose Kommunikation notwendigen mobilen Endgeräte betreten mit dem Übertragungskanal „Luft“ eine unsichere Umgebung und sind daher einem hohen Angriffspotenzial ausgesetzt. Zusätzlich besteht das Risiko, dass mobile Geräte verloren gehen oder missbräuchlich verwendet werden. Folglich sind im mobilen Umfeld Fragestellungen der IT-Sicherheit besonders relevant. In die Sicherheitsanforderungen von MAREMBA fließen daher Authentifizierungen, sichere Transaktionen, Verschlüsselungen, elektronische Signaturen und gesetzliche Datenschutzanforderungen ein. Bei der Konzeption und Gestaltung wird es daneben im Wesentlichen darauf ankommen, die Interessen der Handwerksbetriebe und die Anforderungen der individuellen Nutzer nach einfacher Handhabung mit den dargestellten Sicherheitsanforderungen in Einklang zu bringen. Aus einer realistischen Sicht sind hierbei die Basis der gegebenen technologischen Rahmenbedingungen, Netzverfügbarkeiten und -kapazitäten, Endgeräte und Handhabungskontexte im tatsächlichen Baustellenbetrieb zu berücksichtigen.
Konsortium
Das Projekt MAREMBA wird gemeinschaftlich durch das Elektro Technologie Zentrum, das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, die Heldele GmbH, PDS Programm + Datenservice GmbH, das Forum Soziale Technikgestaltung und dem Baden-Württembergischen Handwerkstag e.V. gesteuert.

