Mobis Pro
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Jahr für Jahr werden in Deutschland alleine 230.000 Brände gemeldet. Die Anzahl der Meldungen entspricht aber bei weitem nicht der tatsächlichen Fallzahl. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass es insgesamt rund doppelt so häufig brennt. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens: Finanziell beläuft sich dieser auf circa 500 Millionen Euro, außerdem verletzen sich rund 6.000 Menschen bei diesen Unglücksfällen schwer, 600 Personen verlieren ihr Leben. Könnte die Effizienz im vorbeugenden wie abwehrenden Brandschutz nur um fünf bis zehn Prozent gesteigert werden, ließe sich eine Menge Geld sparen und es wären weitaus weniger Opfer zu beklagen.
Ausgangslage
Rücken heute Feuerwehrleute im Schadensfall aus, sind sie hinsichtlich wichtiger Informationen über den Einsatzort, wie z. B. die Lage der Gasleitungen oder der Hydranten, auf einen laminierten Einseiter angewiesen. Das Problem ist, dass papiergebundene Dokumentationen beispielsweise von Gewerbeimmobilien trotz einer reichhaltigen Bebilderung nicht mobil verfügbar sind. Bei Industriegebäuden kommt noch erschwerend hinzu, dass häufig Nutzungsänderungen vorgenommen werden und die Unterlagen nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind. Untersucht und geprüft werden Gebäude nur alle fünf Jahre. Diese Veränderungen können verheerend sein - man denke sich nur den Fall, dass aus einem Stahllager ein Papierlager geworden ist. Die im Durchschnitt zu verzeichnenden fünf bis sieben Minuten Anfahrt verstreichen ungenutzt, ohne dass die Fachleute eine Auswertung von Basisdaten vornehmen könnten, die die Brandbekämpfung direkt vor Ort beschleunigen würde. Dabei ist zu bedenken, dass sich alle zweieinhalb Minuten ohne Eingreifen der Feuerwehr der Schaden am betreffenden Objekt verdoppelt.
Die Hauptziele
Mit einer neuen Lösung, die auf die mannigfachen Vorteile mobiler Geräte zurückgreift, sollen vorbeugender Brandschutz und die Brandbekämpfung in Zukunft wesentlich schneller und effizienter gestaltet werden. Den Feuerwehrleuten sollen bereits auf dem Weg zum Einsatzort potenzielle Gefahrenquellen, Hydrantenstandorte, Leitungspläne, Luftbilder oder Pläne über die kürzeste Anfahrt zur Verfügung stehen, um wertvolle Minuten zu gewinnen, die Menschenleben retten und den finanziellen Schaden geringer halten können.
Innovation
Integraler Bestandteil zur Erreichung dieses Zieles ist das System Mobis Pro, das die Mitarbeiter der rund 25.000 Feuerwehren in Deutschland bei der Datenaufnahme vor Ort unterstützten kann, und so den mobilen Informationsaustausch mit der jeweiligen Dienststelle ermöglicht. Grundlage ist ein Behördenübergreifendes Informationssystem, in dem sehr unterschiedliche Daten aus verschiedenen Datenbanken der Gebäudeverwaltung, des Planungsamtes, des Bauordnungsamtes, der Vermessungsämter, der Energie- und Versorgungsunternehmen, der Verkehrsbetriebe und den unterschiedlichen Fachabteilungen der Feuerwehren zusammengeführt werden und an einer zentralen Stelle zum Abruf bereit stehen. Aufgrund der ortsunabhängigen Verfügbarkeit und der hohen Qualität der Daten können künftig Entscheidungsprozesse der Feuerwehrführungskräfte unterstützt werden. Darüber hinaus bietet sich ein weites Anwendungsfeld für Mobis Pro im Bereich des Vorbeugenden Brandschutzes. Insbesondere bei der Durchführung der Brandschau können mobil zur Verfügung gestellte Daten die Bearbeitungsqualität und auch die Schnelligkeit steigern. Die Verwendung mobiler Datenanwendungen bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, Änderungen an Gebäudestrukturen oder Nutzungen schnell zu erfassen und allen anderen Beteiligten (vom Bauordungsamt bis zum Feuerwehrmann im Brandfall) schnell und sicher bereitzustellen.
Sicherheitsaspekte
Besondere Rücksicht erfordern in diesem Bereich rechtliche Aspekte. Dabei geht es vor allem um datenschutzrechtliche Fragen. Zum einen muss der vertrauliche Umgang mit Personendaten gewährleistet sein, zum anderen ist aber auch die eindeutige Festlegung der Verantwortlichkeiten beim Schreibzugriff unabdingbar.
Konsortium
Die Lösung Mobis Pro wird derzeit von einem Konsortium bestehend aus dem Lehrstuhl für Computeranwendung und Integration in Konstruktion und Planung der Universität Paderborn, dem Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der Universität Dortmund, der Firma VOMATEC International, dem Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologien der Feuerwehr Dortmund sowie der Kreisfeuerwehrzentrale in Paderborn entwickelt.
